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Materialien

Überlegungen zur Routenbestimmung

Die nachfolgenden Skizzen und Zeichnungen verdeutlichen das Vorgehen und die zugrunde liegenden Überlegungen.
(Sie finden diese Darstellungen auch im Römerstraßenbuch!)

Bild 1:
Vergleich der Routenführung der Fernstraße Salzburg-Augsburg im Itinerarium Antonini und in der Tabula Peutingeriana bezüglich der angegebenen Stationen und der Entfernungen.

Distanzen-Vergleich

Ergebnis:
Itinerarium und Tabula beschreiben bis zur Station Isinisca eine identische Route. Gemessen an der “Ideallinie” scheint das Itinerarium den kürzestmöglichen Weg zu verfolgen, während die Tabula offensichtlich einen “Umweg” über Camboduno/Kempten einschlägt.

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Bild 2:
Schematische Darstellung der traditionellen Routeninterpretation der Tabula-Route Salzburg-Augsburg mit den Stationsorten und den Distanzen.

Zickzackkurs der alten Forschung

Ergebnis:
Nach dieser “klassischen” Interpretation beschriebe die Tabula einen wenig zielorientierten Zickzackkurs. Zwischen Isinisca und Urusa werden der Tabula unberechtigterweise (Kopier-) Fehler in den Distanzangaben unterstellt. Es ist wenig wahrscheinlich, dass ein Reisender von Salzburg nach Augsburg diese Wegführung über Kempten benutzte!

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Bild 3:
Eine Analyse der Routenführung der Tabula Peutingeriana kann zeigen, dass der Zeichner der Tabula in seiner  Darstellung der Route von Salzburg nach Augsburg Segmente von zwei weiteren römischen Fernstraßen übernahm und sie zu einem linearen Ganzen verband.

Segmente der Tabula

Ergebnis:
Die Tabula Peutingeriana stellt keinen “direkten” Reiseweg von Augsburg nach Salzburg vor, die Vignettierung beider Orte verführt zu dieser Annahme. Stattdessen werden zwei Teilstücke aus anderen Fernstraßen “entnommen” und zu einem linearen Ganzen verbunden. Jedes Teilstück verfügt über eine Straßenstation, die auch in der Route des anderen Teilstücks enthalten ist und als Bindeglied bzw. Gabelungspunkt fungiert. Dies erklärt den scheinbaren “Umweg” über Cambodunum/Kempten. Die gemeinsame Station der Segmente II und III ist die Station Ambra/Dachau, die das Itinerarium Antonini anführt. Die Verbindung von Ambra nach Augusta Vindelicum hat der Zeichner weggelassen. Dies führte zu Missverständnissen und divergierenden Interpretationen in der Forschung.

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Bild 4:
Überlegungen zur Einfügung der Station Ambra/Dachau des Itinerarium Antonini in die Routendarstellung der Tabula Peutingeriana:

Einfügung Ambra/Dachau

Die Überlegungen basieren auf der (richtigen) Annahme, das die Tabula Peutingeriana und das Itinerarium Antonini eine identische Wegführung zwischen Salzburg und Augsburg beschreiben. Das Itinerarium Antonini verzeichnet als letzte Station vor Augsburg die Station Ambra/Dachau, die die Tabula nicht aufführt. Es zeigt sich, dass die Tabula Peutingeriana zwischen Urusa und Bratananium eine Lücke in der Darstellung aufweist. Urusa kann bei Eresing lokalisiert werden. Die Teilstrecken der Segmente II und III (vgl. Bild 3) kreuzen sich bei Dachau, der Station Ambra des Itinerarium. In die Lücke zwischen Bratananium und Urusa ist die Station Ambra einzufügen. - Nach den Entfernungsangaben scheint noch ein weiterer Stationsort zwischen Urusa und Ambra zu existieren.

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Bild 5:
Vorschlag zur Umzeichnung und “Korrektur” der Tabula Peutingeriana im Bereich um Augusta Vindelicum:

Korrekturvorschlag

Diese Umzeichnung enthält folgende Eintragungen und “Korrekturen” zu einer realitätskonformeren Darstellung der Straßensituation um die Augusta Vindelicum:
Rapis, Navoae und Camboduno werden entsprechend ihrer geografischen Lage südwestlich (links) von Augusta Vindelicum angesetzt. Die Orte Avodiacum und Abodiacum sind identisch und als Kreuzungsort sehen. Zwischen Urusa und Bratananium wird der Gabelungspunkt Ambra samt der Verbindung nach Augusta Vindelicum eingefügt.

(Die Notwendigkeit einer “Korrektur” der Tabula ist im Grunde genommen nur ein Zugeständnis an die Erwartungshaltung eines heutigen Betrachters, der von einer Reisekarte absolute Realitätstreue einfordert und jeder Lücke in der Darstellung hilflos gegenübersteht.)

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