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Die historischen Quellen

Unsere einzigen schriftlichen Quellen für die römischen Fernstraßen in Bayern:
Das ITINERARIUM ANTONINI und die TABULA PEUTINGERIANA

Quelle 1 - Tabula Peutingeriana:

Tabula-Ausschnitt

Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana mit der Strecke von Augsburg (Augusta Vindelicum) nach Salzburg (Ivavo) und nach Verona (Verona)

Die TABULA PEUTINGERIANA (Codex Vindobonensis 324, Österreichische Nationalbibliothek, Wien)
ist eine im 12./13. Jahrhundert entstandene Abschrift eines römischen Straßenverzeichnisses, dessen Erstfassung wohl zu Beginn des 3. Jahrhunderts entstand und bis zu ihrer “letzten” Fassung gegen Ende des 4. Jahrhunderts mehrmals überarbeitet wurde. Benannt ist sie nach dem Augsburger Humanisten und Ratsherrn Konrad Peutinger (1465-1547), in dessen Besitz sie 1507 überging.
Die “Karte” umfasst das gesamte römische Reich, bestand aus 12 zusammengeklebten Blättern und hatte eine Länge von ca. 6,75 m und eine Höhe von nur etwa 34 cm. Sie enthält über 3500 geografische Namen. Straßen sind mit linearen Strichen dargestellt, Etappenstationen werden mit einem “Haken” angedeutet, Hauptstädte mit Vignetten hervorgehoben. Die eingezeichneten Flüsse, Gebirge etc. sind nur schmückendes Beiwerk, sie können nicht zu einer geografischen Orientierung verwendet werden. Auf den ersten Blick erweckt die Tabula den Anschein einer stark in die Länge gezogenen und verzerrten Landkarte, ihre verwertbaren Aussageelemente beschränken sich jedoch nur auf die Namen von Straßenstationen und den zugehörigen Distanzen.

Die Tabula Peutingeriana wurde erst jüngst von der Unesco in die Liste des Weltdokumentenerbes aufgenommen.

Quelle 2 - Itinerarium Antonini:

Itinerarium Antonini

Ausschnitt aus einer Kopie des Itinerarium Antonini
(Handschrift Speyer (?), 10. Jht. Einzelne Seite. Universitätsbibliothek Augsburg)
Rechts die Route von Badaio/Bedaio (Seebruck) über Augsburg (Augusta Vindelicum) nach Brigantia/Bregenz (Strecke 258).

Das ITINERARIUM ANTONINI ist ein tabellarisches Straßenverzeichnis, das den Titel “Itinerarium provinciarum Antonini Augusti” trägt und in mehr als 40 verschiedenen mittelalterlichen Abschriften vorliegt, deren älteste im 8. Jahrhundert entstanden sein dürfte. Grundlage war eine nach einer römischen Karte erstellte Routenliste, die auf Kaiser Marcus Aurelius Antoninus, genannt Caracalla, zurück gehen soll. Die “Urfassung” des Itinerarium Antonini stammt vermutlich aus den ersten Regierungsjahren Kaiser Diokletians und basiert auf jener Vorlage aus der Zeit Caracallas (211-217 n. Chr.). Sie listet einzelne Reisestrecken auf und nennt die Distanzen zwischen den Etappenstationen. In den Überschriften zu den jeweiligen Reiserouten wird zudem die Gesamtentfernung angegeben. Weitere Informationen sind nicht enthalten.


Beide römische Straßenverzeichnisse sind entstehungsgeschichtlich nicht miteinander “verwandt”, ebensowenig ist eine gemeinsame Urvorlage zu erkennen. Sie geben zudem ein zeitlich versetztes Bild wieder. Diese Tatsache hat jedoch keinen unmittelbaren Einfluss auf die “Rekonstruktion” der römischen Fernstraßen im Untersuchungsgebiet.

Die Tabula Peutingeriana und das Itinerarium Antonini sind die einzigen schriftlichen Quellen, aus denen sich einige römische Fernstraßen in Bayern “rekonstruieren” lassen.
Da beide Quellen jedoch nur die lateinischen Namen von Straßenstationen und die zugehörigen Distanzen angeben, ist die Lokalisierung dieser Orte und die Bestimmung der Trassen äußerst schwierig, zumal während der Zeit der römischen Herrschaft in Bayern eine große Zahl von Straßen unterschiedlicher Kategorien gebaut wurden, deren Namen wir nicht kennen.

Die traditionelle Römerstraßenforschung versuchte mit Hilfe archäologischer Funde und der Auswertung von vorhandenen Meilensteinen die in den Quellen genannten Route zu ermitteln.
Aber:
Kaum einer der aufgefundenen Meilensteine wurde “in situ”, d. h. an seinen ursprünglichen Aufstellungsort gefunden und solange Bayern nicht flächendeckend archäologisch ergraben ist, geben alle bisherigen Befunde lediglich ein eingeschränkt verwertbares Bild wieder. Nur die Namen weniger Orte (z. B. Augsburg) sind über archäologische Funde gesichert, kein Stationsort kann  aber über anonyme Straßenreste allein lokalisiert werden.

Es gibt sehr viele römische Straßen in Bayern, aber nur einige wenige Routen, die in den beiden Itineraren genannt werden. Da die Quellen nur Stationsorte mit ihren lateinischen Namen auflisten und außer deren Abstände zueinander keine weiteren Hinweise geben, ist die “Rekonstruktion” dieser speziellen Itinerarienrouten ein besonderer Schwerpunkt historischer Forschungen seit den Anfängen der Geschichtsschreibung in Bayern.

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